Stanley Clarke

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Stanley Clarke

‚Jazz in the garden‘ war eine legendäre Veranstaltungsreihe im Hof der Nationalgalerie in Berlin.

Ich erinnere mich an einige großartige Konzerte, die ich dort erlebt habe. Umso mehr war ich verwundert, unter ‚Jazz in the garden‘ bei google jetzt die Ankündigung des ersten Akustik-Trios von Stanley Clarke zu finden.

Die ersten >> Hörbeispiele deuten schon an, daß wir eine wunderschöne Veröffentlichung mit Eigenkompositionen von Clarke, aber auch mit gelungenen Coverversionen von Miles Davis, Duke Ellington, aber auch den Red Hot Chilli Peppers erwarten dürfen.

Ganz anders als wir Stanley Clarke erwarten, wenn wir ihn aus ‚Return to forever‘-Zeiten kennen, ganz anders als auf ‚At the movies‘.

Hiromi am Piano, Lenny White am Schlagzeug.

Dicke Empfehlung!

Tal Balshai endless fields

Tal Balshai
endless fields

endless-fieldsTal Balshai ist ein in Jerusalem geborener und seit 1992 in Berlin lebender Komponist und Pianist.
Seine CD und erst recht seine Live-Auftritte offenbaren eine feinsinnige Integration seiner orientalischen Herkunft und seiner klassischen Ausbildung. In Tal Balshais Musik zeigen sich die Grenzen zwischen E- und U-Musik als fließend, verschwimmen und verschwinden schließlich gar. „Es gibt nur gute Musik und schlechte Musik. Und sogar da bin ich mir nicht sicher.“

‚endless fields‘ ist Musik für Jazz Trio und Streichquartett. und ich finde, es ist gute Musik! Tal Balshai-piano, Jan Roder-Bass, Michael Griener-Drums, und vom philharmonischen Orchester Berlin die Streicher Christoph von der Nahmer-Violin, Esther Middendorf-Violin, Martin von Nahmer-Viola, Knut Weber-Cello nehmen und in den ersten 3 Stücken mit auf eine kleine Orientreise, lassen uns teilnehmen an einem abendlichen Dorffest, das schließlich beim Sonneaufgang am Meer endet.
Die jazzigen, klassischen und auch orientalischen Einflüsse schaffen eine Musik, die für Zuhörer mit unterschiedlichem musikalischem Hintergrund gleichermaßen zugänglich bleibt.

Im Stück ‚Timeless‘ zaubern die Musiker schlichte aber starke Harmonien, die geprägt sind von der Verbindung aus Dur-Tonika und Moll-Dominante. Thematisch klingen lateinamerikanische Motive an.
‚A night in the jungle‘ variiert ein dunkles Thema, die Angst eines Kindes im nächtlichen Dschungel, das abgelöst wird von einer beruhigenden, tröstlichen Melodie, die Knut Weber in einfühlsamem Cellospiel interpretiert.
Am besten gefällt mir das Titelstück ‚endless fields‘. Die Tonika-Subdominante zieht den Zuhörer in eine endlose Spirale, in sich eröffnende unendliche Weiten. Dies Stück dürfte eigentlich kein Ende finden.
‚A ghost from the past‘ zeigt wieder alle Facetten die Tal Balshais Musik ausmachen. Es treffen wieder die orientalischen, klassischen und jazzigen Elemente aufeinander. Tal kommt es immer wieder so vor, als seien die ganzen musikalischen Ideen gar nicht von ihm.
Aber schön, dass er sie in sich hat, und dass sie aus ihm kommen.

Und hier gibt es Hörproben

Jeff Healey,

Jeff Healey,

healey_mobder kanadische Gitarist und Sänger erlag am 2.März der Krebserkrankung, die ihn schon als Kind erblinden ließ.
Als Teenager entdeckte er die Gitarre und entwickelte autodidaktisch seine ureigene Art das Instrument zu spielen. Er saß auf einem Stuhl, die Gitarre auf seinen Knien liegend, konnte gnadenlos rocken, wundersam zärtlich klingen, musikalische Urgewalten entfesseln.

Er machte Musik mit den ganz Großen… B.B.King, Albert Collins, Bob Dylan, George Harrison, den Stones, Stevie Ray Vaughan, Mark Knopfler …

See the light so heißt das Album, mit dem Jeff Healey sein Durchbruch als Blues-Musiker gelang.

Der große kommerzielle Erfolg währte nicht lange, wohl auch weil er ihn nicht wirklich gesucht hat.
Stattdessen suchte er den intensiven Kontakt, spielte jede Woche in seinem eigenen Club in Toronto, zuerst im Healey’s dann in Jeff Healey’s Roadhouse, wo er ebenso wie auf seinem eigenen Label Forte Records unbekannte Künstler fördert.
Er selbst unternimmt Ausflüge in den Jazz, erlernt das Spiel auf der Trompete und tritt mit seinen Jazz Wizards regelmäßig auf.

Bekannte von mir fahren gerade jetzt für zehn Tage nach Toronto, dort einen Stadturlaub zu machen. Ich hätte ihnen gewünscht, sie hätten die Gelegenheit gehabt, Jeff Healey in seinem Club noch live zu erleben.

Als Abschiedsgeschenk hinterlässt uns dieser Ausnahmemusiker sein soeben veröffentlichtes Album Mess of Blues, das erste Blues und Rock-Album seit acht Jahren.
Hierauf wollte Healey seine Live-Band, für ihn die beste Band Kanadas, einem breiteren Publikum bekannt machen. Gespielt werden überwiegend die Nummern, die bei den Club-Auftritten am besten ankamen.
Klassiker wie ‚Shake, rattle and roll’, ‚Jambalaya’ oder ‚How blue can you get’ werden auf unnachahmliche Wiese neu belebt.

Jeff Healeys Blues ist Musik von heute.

Jeff Healey, das einstige Gitarren-Wunderkind, ist Blues-Legende.

Herbert von Karajan

Herbert von Karajan

karajanwar ganz sicher eine der eindrucksvollsten und einflußreichsten Musikerpersönlichkeiten des letzten Jahrhunderts. Seine Perfektion am Dirigentenpult war legendär, ebenso die Unerbittlichkeit seiner musikalischen Auffassung und seiner Vorstellung vom idealen Orchesterklang.

Manchem HighEnder und Musikfreund waren viele seiner Aufnahmen zu technisch und zu perfekt. Und Karajans Begeisterung für den neuen Tonträger CD gipfelte in der These, dass deren Klang die Musik in vollem Licht erstrahlen ließe, während alle vorigen Wiedergabesysteme wie Gaslaternen funzelten.

Nun, während sich die Schallplatte immer noch dreht, gibt es eine Veröffentlichung aller Beethoven-Symphonien unter Herbert von Karajans Leitung auf 3 DVDs, die einen optischen und musikalischen Rückblick auch jenen ermöglichen, die ihn zu seinen Lenzeiten verpaßt haben.

Klanglich sind diese Video-DVDs absolute Highlights. In aufwändigen sogenannten Re-recordings wurden in Berlin und Wien an den Original-Aufnahmeplätzen Raumaspekte wieder hinzugefügt, die in den ursprünglichen Aufnahmen durch die damalige Klangauffassung unterschlagen worden waren.

Der Maestro selber galt ja als Technik-Freak, und versessen auf den perfekten Klang wie war, wäre er mit Experiement sicherlich einverstanden gewesen- und am Ergebnis hätte er seine Freude gehabt.

Rickie Lee Jones The sermon on exposition boulevard

Rickie Lee Jones
The sermon on exposition boulevard

rickieleejones_sermonRickie Lee Jones seit 1979 und ihrem Debut ist mit 12 Alben eine feste Größe in meiner Platten- und CD-Sammlung. Die zweifache Grammy-Gewinnerin kann singen wie ein kleines Mädchen, fauchend und schneidend wie eine Hexe, aber auch voller Wärme und reifer Anmut.

Es war nie ihre Stimme, oder ihre Kunst des Sonwritings alleine oder die Sperrigkeit mit der sich ihr Werk der klischeehaften Katalogisierung immer wieder entzog, die mich fesselten, und auch nie der ‚audiophile Status‘ ihrer Produktionen.

Und jetzt das. Fast 4 Jahre nach ‚The evening of my best day‘, kommt RLJ mit ‚The sermon on exposition boulevard‘.

Auf dem Heimweg spät abends vom Kunden: RadioEins: Rickie Lee Jones! Rau, roh, verletzlich und zugleich souverän. ‚Nobody knows my name‘ Eine Annäherung an und Reflexion über Jesus, ein statement gegen Amerikas zur Schau getragene ‚Religiösität‘. Explizit in ‚Where I like it best‘, die Prediger im TV, die sich verneigen und zum öffentlichen Gebet aufrufen.
‚… and it feels so cold and meaningless … when you pray-pray alone by yourself in the secret room of your heart‘ … Das alles fußt auf neutestamentlichen Worten und Ermahnungen des Mannes aus Nazareth.

Die Texte sind komplett auf www.rickieleejones.com nachzulesen, dankenswerter Weise. Einiges ist verstörend, bewegend. Zugegeben für mich nicht alles verständlich, aber viel besser zu lesen, als in einem CD-Booklet.

Es klingt wie der der Versuch uns teihaben zu lassen, nicht mit fertigen Liedern und Arrangements zu bedienen, sondern uns zu fragen, ‚How do you pray in a world like this?‘.

‚The sermon on exposition boulevard‘ ist kein leichter Stoff, aber es ist eine wunderbare Platte, vielleicht ein großes Werk, und deshalb wärmstens empfohlen. Und ebenso, die ‚alten‘ RLJ Scheiben nochmal hervorzuholen, vielleicht ‚Pirates‘ oder ‚Flying Cowboys’…

David Friemann Tambour Rodney’s prallel universe

David Friemann Tambour
Rodney’s prallel universe

david_friedmannErgänzt um Jean Louis Matinier und sein virtuos gespieltes Akkordeon entführt das Trio um den Berliner Professor uns in Rodneys Parallelwelt.

Das Cover deutet schon die visuelle Dimension an, die beim Anhören unweigerlich entsteht. Die kollektiven Improvisationen entwickeln eine suggestive Kraft und wecken bei geschlossenen Augen filmische Assoziationen. So schön kann ‚Heimkino‘ sein.

Bisweilen spinnt sich ein musikalischer Gedanke von einem Instrument zum nächsten fort. Die dunklen Bassläufe Pepe Berns und die tiefen Klänge von Friedmans Marimbaphon bilden einen erdigen Gegenpol zu den weich schwebenden Klängen von Peter Wenigers Tenorsax und Matiniers Akkordeon.

Und auch Friedmans Vibraphon nimmt uns mit perlenden Klängen mit in luftige Höhen. Jeder Musiker nimmt sich die Freiheit zu längeren Soli und Improvisationen, um sich dann wieder zurückzunehmen und im Ensemble den Raum zu schaffen für einen der Kollegen.

Eine Veröffentlichung von frühlinghafter Zartheit!

Joan Armatrading Into the Blues

Joan Armatrading
Into the Blues

armatradingIch ging noch zur Schule und verbrachte viele Nachmittage und Abende mit Freunden beim Träumen von einer besseren Welt, beim Anhören neuer Musik, mit Experimenten und Erfahrungen von denen die ‚Alten‘ nichts wissen durften.

Bei der Musik dominierten die härteren Klänge. Jimi Hendrix, Neil Young, Frank Zappa, Led Zeppelin spielten unsere Musik.

Aber schon damals sang sich eine zarte Person mit ungeheurer Energie und viel Zärtlichkeit in mein Herz: Joan Armatrading!

„Whatever’s for us“, „Show some emotion“, „Me Myself I“ … seitdem, mal folkig, mal jazzig und mal rockig hat mich Joan Armatradings Stimme immer wieder gefreut, getröstet, nachdenklich gemacht.

Und soeben erscheint das neue Album, „Into the Blues“. Der Titel ist Programm. Dabei variiert die Engländerin ‚ihren Blues‘ von traditionell über soulig und auch mit trendigen breaks. So entstand ein spannendes Album, bodenständig und immer spannend, voller Gefühl und Wärme.

Mein Anspieltipp: ‚Secular songs‘ und ‚Play the blues‘.

Conjure Bad mouth

Conjure
Bad mouth

bm_conjureKip Hanrahan.
Seit den frühen 80ern bringt Hanrahan immer wieder die unterschiedlichsten Musiker zur Realisierung seiner Projekte zusammen.
Die Liste der Beteiligten ist lang und enthält prominente Namen wie Carla Bley, Taj Mahal, Don Pullen, Sting, Cico Freeman, Leo Nocentelli, Milton Cardona, Steve Swallow, Bobby Womack, Allen Toussaint, Jack Bruce… Exotica, Tenderness, Days and nights of the blue luck inverted… lauter Konzeptalben mit funky verschwitzten, jazzig verruchten, latinodurchtränkten Melodien und Rythmen – jedes eine Empfehlung wert und dank soulfood/enja jetzt auch wieder leichter in Deutschland erhältlich.

Das aktuelle Doppelalbum heißt ‚Bad mouth‘ und ist eine Fortsetzung des Conjure-Projektes, die dritte Veröffentlichung mit Texten des amerikanischen Poeten Ishmael Reed.

Die beteiligte Musiker sind diesmal:
– David Murray / ten sax,
– Horacio Hernandez / drums,
– Alvin Youngblood Hart / el.guit,
– Leo Nocentelli / el.guit,
– Billy Bang / violin,
sowie 5 weitere Perkussionisten.
Und natürlich Kip Hanrahan, der die Fäden zieht und auch immer wieder selbst hier und da Hand anlegt.

Das Werk startet mit einem gospelähnlichem ‚gestern bin ich gestorben, heute auferstanden‘ – der Song gerät zu einer brodelden Percussion-Orgie mit funkigen Gitarrensounds – und schon sind wir mittendrin.
Amerika 2006 – Irak, ‚in a war such things happen‘ zeigt in unverblümter Sprache, wie Besatzer und Besetzte immer tiefer in Konfrontation geraten, erzählt eine andere Seite zu den abendlichen Bildern der Nachrichten.

Zu vielem fällt mir erstmal nichts mehr ein, wenn ich Reed’s Texte gehört habe. CO2-Emissionen? – wo doch, wenn die Entwicklung anhält, jeder Amerikaner eines nahen Tages ein Auto in der Größe eines Greyhound-Busses besitzen möchte… Große Musik zu wichtigen Texten!

1984 bekam ich ‚Crueza de Mä‘

de_andre1984 bekam ich ‚Crueza de Mä‘, eine Schallplatte des italienisches Sängers Fabrizio de Andre geschenkt.
Eine wunderbare Musik, melancholisch, zärtlich, aber auch politisch, Stellung beziehend, wütend ,traurig.

De Andre singt mit unverwechselbarer Stimme im Dialekt seiner Heimat Genua. Er singt von verblühter Liebe, von Sehnsucht, singt über Mord und Totschlag, und nimmt mich mit auf eine Reise der Gefühle.

1999 ist de Andre gestorben, gerade mal 59 Jahre alt.
Aber es gibt von ihm noch seine Musik. Ebenso wie ‚Cruza de Mä‘ möcht ich ‚Le Nuvole‘ empfehlen, oder vielleicht ‚Anime salve‘ … oder …
Die Doppel-CD ‚1991 CONCERTI‘ ist vielleicht am besten geeignet einen Eindruck von de Andres Bedeutung, von seiner Präsens und von seiner musikalischen Vielfältigkeit zu vermitteln.

Und wer sich in Fabrizio de Andres Poesie vertiefen möchte, aber des Italienischen bzw. des genuesischen Dialektes nicht mächtig ist sei auf folgende website verwiesen: muh.info

Herbie Hancock River-the Joni letters

Herbie Hancock
River-the Joni letters

hancockZeitgleich und ganz anders begegnet uns Joni Mitchell auf Herbie Hancocks ‚River – the Joni letters‘. Von Altmeister Hancock kommt eine Würdigung der Komponistin, mit der ihn eine 30-jährige Freundschaft verbindet. Er präsentiert uns eine wunderbare Sammlung von Joni Mitchell Kompositionen in jazzigen Interpretationen.

Jenseits langweiliger Jazz-Standards entwickeln Herbie Hancock, Wayne Shorter, Dave Holland, Vinnie Colaiuta Lionel Loueke eine immense Spielfreude, deren Intensität Norah Jones zu einer berührenden Version des wehmütigen „Court and Spark“ mitreißt.

Tina Turner gelingt eine zeitose Interpretation vom 75’er „Edith and the Kingpin“.
Joni Mitchell selber trägt „Tea Leaf Prophecy“ bei, hier geht um Ereignisse im Leben ihrer Mutter, und darum, wie es überhaupt dazu kam, dass die kleine Joni auf die Welt kam.

Für mich ganz besonders und auch das schönste Stück auf „River“ ist jedoch Leonard Cohens Sprechgesang, mit dunkler mystischer Stimme rezitiert er das surreale „The Jungle Line“.
Begeitet nur von Hancocks Improvisation am Flügel – ergreifend und wunderbar! Hier wird nicht nur gecovert – Herbie Hancock nimmt jeden Text ernst, ergründet ihn, so entstehen die Songs neu und die Grenzen zwischen Jazz/Folk/Blues und Pop werden (wieder einmal) gesprengt.

Dafür lieber Herbie: Danke!